Auf dem Absprung

Lilly Küppers auf dem Weg von den Wizards zu dem Chemcats

Lilly ist sechzehn Jahre alt und kam vor drei Jahren zu den Wizards zum Basketballspielen. Trotz Corona hat sie so viel gelernt, dass sie ab der nächsten Saison bei den Chemcats in Chemnitz in der Nachwuchsbundesliga spielen wird. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

 

Von Lilly Küppers:

Als ich das erste Mal in der Halle stand, war ich 13. Ich war neu in Babenhausen und hatte überhaupt keine Ahnung, wie man richtig Basketball spielt. Mit meiner Familie war ich vorher nur ab und zu auf einem Freiplatz gewesen und hatten ein bisschen „gezockt“. Als ich bei den Wizards ankam, wurde mir gesagt, ich solle einfach loslegen und beim Training in der U16 mitmachen. Ich wurde von allen freundlich begrüßt und sollte gleich mittrainieren. Es war zwar alles etwas ungewohnt, aber es hat mir gleich viel Spaß gemacht. Am Ende des Trainings war klar, dass ich unbedingt wiederkommen wollte.
Anfangs klappte natürlich nichts so, wie ich wollte. Ich verfehlte oft, schaffte anfangs nicht mal den Ring vom Korb zu treffen. Aber nach einiger Zeit merkte ich, wie ich mich verbesserte. Viel geholfen hat mir auch das Individualtraining, wo ich vor allem das Dribbeln gelernt habe. Etwas später stand dann auch schon das erste Spiel der Saison vor der Tür. Ich war planlos und wusste nicht genau was ich zu tun hatte, weshalb ich orientierungslos auf dem Spielfeld herumrannte. Aber mit der Zeit wurde es immer besser. Da die WU16 ein starkes Team war, gelang es uns oft die Spiele zu gewinnen. Ich verstand immer besser, mich einzubringen und schaffte es nach und nach auch zu punkten.
In der zweiten Saison war ich gut in das Team von Ayşe Öcal reingewachsen. Unsere WU16 war so stark, dass wir gegen viele andere Teams mit großem Punkteabstand gewannen. Ich bekam auch immer mehr Spielzeit und es machte unglaublich Spaß mit den anderen zusammen übers Spielfeld zu wirbeln und einen Sieg nach dem anderen nach Hause zu bringen. Ich hatte so richtig Feuer gefangen fürs Basketballspielen – doch dann kam Corona! Das war wie eine Vollbremsung, bei der man sich den Kopf an der Wand anhaut. Ich war frustriert und traurig, dass das Training und die Spiele einfach komplett abgesagt werden mussten. Der einzige Trost war der Freiplatz im Wald. Dort war ich während des ersten Lockdowns mit meiner Familie ab und zu und habe alleine weiter Wurftraining gemacht.
Als im Sommer 2020 die Lockerungen kamen, fing auch das Training der Wizards wieder an. Alle waren glücklich, sich endlich wiedersehen und zusammen trainieren zu können. Kurz nach Trainingsbeginn wurde ich gefragt, ob ich nicht bei den 1. und 2. Damen mittrainieren wolle. Das war für mich eine große Ehre und natürlich auch Gelegenheit, mich weiter zu verbessern. Ich sagte natürlich sofort zu. Von da an war mein Trainingsplan voll. Ich trainierte 4-5 Mal die Woche und am Wochenende hatte ich ein bis zwei Spiele. Ich durfte bei den 2. Damen mitspielen und kam sogar bei den 1. Damen zum Einsatz. Doch dann mussten im November die Hallen wieder geschlossen werden: Der zweite Lockdown – und wieder eine Vollbremsung! Keine Spiele mehr und kein Training, was mich diesmal nicht nur traurig, sondern auch wütend machte. Alles, was blieb, war die Ansage unseres Trainers, in der Woche drei Mal 45 Minuten laufen zu gehen.
Nach der Weihnachtspause war ich einmal bei kaltem Wetter joggen, hatte meine Jacke vergessen und kam im Schneeschauer klatschnass nach Hause (gekrochen). Da fand ich eine Nachricht von meinem Trainer, der mir vorschlug, ab jetzt wieder regelmäßig zum Individualtraining in die Halle zu kommen. Ich war total happy! Bald darauf konnte ich wieder regelmäßig zweimal pro Woche 3-4 Stunden trainieren. Thomas Hüther, Marlene Schuckert, die Physiotherapeutin und ich haben uns vorher immer getestet und dann zusammen verschiedene Einheiten gemacht: Technik, Kraft, Athletik und viel Werfen. Nebenbei habe ich mein Lauftraining weitergeführt und war eigentlich immer am Ball, wenn ich etwas Zeit hatte.
Als mir Thomas Hüther nach ein paar Wochen verriet, dass ich zur WNBL nach Chemnitz eingeladen sei, konnte ich es kaum glauben. Ende April klappte es endlich mit einem Termin. Mit Thomas und meiner Mutter ging es 400 km in den Osten. Wir waren rechtzeitig zum Nachmittagstraining der Chemcats und war richtig aufgeregt. Schließlich sollte ich beim Training der 2. Bundesliga mittrainieren, bei dem auch die Spielerinnen für die WNBL mittrainieren. Ich dachte, ich würde da einfach untergehen, denn ich hatte zwar viel gearbeitet und gelernt in den letzten Monaten, aber keine Spielerfahrung mehr sammeln können. Als wir ankamen, wurde ich sehr herzlich empfangen und dann ging es schon los. Es wurden Konzepte trainiert, in die ich mich schnell eindenken musste und ganz viel gespielt. Das war extrem anstrengend, hat aber auch superviel Spaß gemacht. Als mir dann am gleichen Abend vom Chemcats Trainer Thomas Seltner gesagt wurde, dass sie mich gerne haben würden, dachte ich, ich träume…
Der Rest ist schnell erzählt! Es musste viel Papierkram erledigt werden, aber inzwischen steht fest: Ich bekomme einen Platz am Sportgymnasium in Chemnitz und werde dort ab dem nächsten Schuljahr aufs Internat gehen und bei den Chemcats Basketballspielen. Bis dahin werde ich hier noch so viele Trainings wie möglich mitmachen, noch viel lernen und Spaß haben mit den tollen Wizards. Am 23. August geht das Training für die neue Saison in Chemnitz los und dann heißt es Abschiednehmen von den Wizards, meinen Trainern und Trainerinnen und meiner Familie, denen ich allen viel verdanke!

 


Basketball spielen lernen wie Lilly?! Kein Problem!
Die Babenhausen Wizards veranstalten ein Mädchen Basketballcamp vom 23. bis 25. August 2021 (tägl. 9-11:30 & 13:30-16 Uhr) in der Schulsporthalle und heißen alle Basketballinteressierten von Klasse 4 bis 10 herzlich ein, sich am orangenen Leder auszuprobieren. Alle Infos und Anmeldung hier.

 

Kontakt und Anfahrt

Die Babenhausen Wizards sind die Basketballabteilung des TV 1891 Babenhausen e.V.

Hallenanschrift:
Schulsporthalle der Joachim-Schumann-Schule
Bürgermeister-Willand-Straße 1
64832 Babenhausen